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Energie & Förderung

Infrarot-Heizung: Strombedarf und Kosten

Infrarot-Heizung als Hauptheizung? Strombedarf und Kosten – und ein ehrlicher Reality-Check.

Typisch 300-1200 W pro Paneel

Heizperiode Okt-Apr Dauer-/Taktbetrieb

Ergebnis
Stromverbrauch
Heizkosten/Jahr
Heizkosten/Monat (Heizperiode)
Vergleich Wärmepumpe (JAZ 4)

Erklärung

Infrarot-Heizungen sind elektrische Flächenstrahler, die Wärme ähnlich wie Sonnenstrahlung erzeugen – sie heizen direkt Körper und Oberflächen an, weniger die Raumluft. Modelle als Glasplatten, Bilder, Spiegel, Decken-/Wand-Paneele. Sie wandeln 100 % der elektrischen Energie in Strahlungswärme um – das ist physikalisch korrekt und wird in der Werbung als 'kein Wirkungsgradverlust' beworben. ABER: Diese 100 % bei direkter Stromverwendung sind weit weniger effizient als andere Heizsysteme. Eine Wärmepumpe holt pro 1 kWh Strom 3-4 kWh Wärme aus der Umweltluft. Eine Gasheizung erzeugt aus 1 kWh Erdgas 0,95 kWh Wärme. Eine Infrarotheizung macht aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme. Der Strompreis ist 3-mal so hoch wie der Gaspreis (32 ct vs. 11 ct/kWh) – damit ist Infrarot pro kWh Wärme effektiv 3-mal teurer als Gas und 4-mal teurer als eine Wärmepumpe. Konkret durchgerechnet für ein typisches EFH 140 m² mit 22.000 kWh Wärmebedarf: - Infrarotheizung: 22.000 kWh × 32 ct = 7.040 €/J - Gasheizung: 22.000 kWh / 0,92 × 11 ct = 2.630 €/J - Wärmepumpe (JAZ 4): 22.000 / 4 × 32 ct = 1.760 €/J - Pelletkessel: 22.000 / 0,9 / 4800 × 340 € = 1.730 €/J Infrarot ist also fast 3× teurer im Betrieb als Gas und 4× teurer als WP/Pellets. Bei 30+ Jahren Lebensdauer einer Heizung sind das Mehrkosten von >100.000 €. Wann Infrarotheizung trotzdem Sinn ergeben kann: 1. Sehr selten genutzte Räume: Ferienhaus, Hobbyraum, Gästezimmer, das nur ein paar Wochen pro Jahr beheizt wird. Hier fallen wenig kWh an, dafür spart man die teure Investition einer Zentralheizung. 2. Zusatzheizung im Bad: 600-800 W Spiegelheizung schaltet sich nur wenige Minuten morgens/abends ein. 100 € Stromkosten/Jahr sind akzeptabel. 3. Sehr gut gedämmte Häuser (Passivhaus, KfW-40+) mit <5.000 kWh Heizbedarf. Hier ist die absolute Stromrechnung klein genug, dass Infrarot die fehlende Investition (keine WP-Anlage, keine FBH) ausgleicht – für Architektenhäuser teils gewählt. 4. In Kombination mit großer eigener PV-Anlage und Heimspeicher: wenn der Großteil im Winter aus PV kommt (was selten ist – im Winter PV-Ertrag nur 10-20 % vom Sommerwert), kann der Strompreis effektiv 0 ct/kWh sein. 5. Mietsituationen ohne Modernisierungsmöglichkeit: einzelner Raum mit altem Nachtspeicher → Infrarot ist immerhin bedarfsgerecht regelbar. Wann Infrarot definitiv NICHT die Antwort ist: jedes normal gedämmte Einfamilienhaus, das man durchgehend bewohnt. Werbeversprechen wie 'spart 30 % gegenüber Gas' beruhen auf falschen Annahmen oder vergleichen mit Heizöl-Altkesseln in unsanierten Häusern, was unfair ist. Gesetzlich: GEG erlaubt Stromdirektheizung als Hauptheizung nur in Häusern mit sehr guter Dämmung (KfW-55 oder besser) – sonst ist die 65%-EE-Pflicht nicht erfüllt. Im Altbau ist Infrarot als alleinige Heizung in der Regel nicht zulässig, sobald die alte Heizung getauscht werden muss. Auslegung wenn doch: Faustregel 60-100 W/m² je nach Dämmstandard. Für 20 m² Wohnzimmer in saniertem Haus 1500-2000 W (z.B. 2× 800 W Paneele). Vorsicht beim Kauf: Hersteller geben oft 'Wärmewirkung wie Heizkörper mit X kW' an – das ist Marketing. Was zählt sind die elektrischen Watt. Optimierung: Thermostat mit Zeitsteuerung pro Raum (smart, EVCC, HomeAssistant), Steuerung über PV-Überschuss (sonneneinstrahlungsabhängig), Bewegungsmelder in selten genutzten Räumen, dunkle/matte Oberflächen aufnehmen Infrarotstrahlung besser als helle/glänzende.

K = W_{\text{Paneel}} \times n \times h \times d \div 1000 \times p

Häufige Fragen

Sind Infrarotheizungen wirklich günstig? +

Im Vergleich zu Wärmepumpe oder Pellets nein – sie kosten im Betrieb 3-4× so viel pro kWh Wärme. Geringe Investitionskosten (200-400 €/Paneel) gleichen das nur in Sonderfällen aus.

Wann lohnt sich eine Infrarotheizung? +

Bei sehr seltener Nutzung (Ferienhaus), als Zusatzheizung im Bad, oder im sehr gut gedämmten Passivhaus mit großer PV-Anlage. Als alleinige Heizung im normalen EFH praktisch nie wirtschaftlich.

Wie viel kW brauche ich pro m²? +

Faustregel: 60-100 W/m² bei normalem Dämmstandard. Bei sehr guter Dämmung 30-50 W/m². 20 m² Raum braucht typisch 1500-2000 W Gesamtleistung.

Erfüllt Infrarot das GEG? +

Ja, aber nur in sehr gut gedämmten Häusern (KfW-55 oder besser). Die 65 %-EE-Pflicht des GEG wird nur bei niedrigem Wärmebedarf rechnerisch eingehalten. Im normalen Altbau ist Stromdirektheizung als Hauptheizung meist nicht zulässig.

Spart Infrarotheizung 30 % wie beworben? +

Marketing-Aussage. Studien zeigen real meist Mehrkosten gegenüber Gas/WP. Ausnahme: sehr individuell genutzte Einzelräume in gut gedämmten Häusern, wo nicht die Raumluft, sondern punktuell ein Sitzplatz erwärmt wird.

Welche Förderung gibt es? +

Keine BEG-Förderung für Infrarotheizung als Hauptheizung. Nur als Zusatzheizung in PV/Wärmepumpenkonzepten ggf. anteilig. Auch nicht über § 35c EStG förderfähig.

Sind Infrarotheizungen gesund? +

Strahlungswärme ist physiologisch angenehm (ähnlich Sonnenstrahlung, Kachelofen). Gesundheitlich unbedenklich, keine Verbrennungsprodukte. Vorteil: trockene Wände, weniger Schimmelgefahr durch warme Oberflächen.

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