Notstrom-Reichweite des PV-Speichers berechnen
Berechne, wie lange dein Batteriespeicher den Haushalt bei Stromausfall versorgen kann - im Sommer mit PV-Nachladung, im Winter ohne.
Erklärung
Bei Stromausfall (Blackout, Brownout) ist eine PV-Anlage allein NICHT nutzbar. Standard-PV-Anlagen schalten sich bei Netzausfall sofort ab (sogenannter 'Selbstabschaltung' nach VDE-AR-N 4105) - aus Sicherheitsgruenden, damit kein Strom auf die abgeschalteten Netzleitungen geht und Monteure gefaehrdet. Auch der Speicher ist meist mit dem Wechselrichter verbunden und folgt dieser Abschaltung. Drei Notstrom-Optionen: 1. Standard-Speicher (kein Notstrom): Bei Stromausfall geht alles aus. Keine Funktion. 2. Ersatzstromfaehiger Speicher: Mit kurzer Unterbrechung (Sekunden bis Minuten) schaltet der Wechselrichter auf eine eigene Notstrom-Steckdose oder einen separaten Stromkreis um. Typisch 3-7 kW Leistung. Versorgt nur die definierten Notstrom-Lasten, nicht das gesamte Haus. 3. Inselbetriebsfaehiger Speicher: Mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV, Umschaltzeit unter 20 ms - Computer und Server bleiben an). Versorgt das gesamte Haus oder einen abgetrennten Bereich. Teurer, aber komfortabler. Kapazitaetsplanung: Standard-Haushalt verbraucht 8-15 kWh pro Tag, im Notstrom kann das auf 3-6 kWh reduziert werden (nur Kuehlschrank, Gefriere, Licht, Internet, Heizungs-Umwaelzpumpe). Mit Saunaheizung, E-Herd, Waermepumpe steigt der Bedarf drastisch. Ein 10 kWh Speicher reicht bei 6 kWh Notbedarf etwa 1,5 Tage ohne PV-Nachladung. Mit PV im Sommer: Bei 10 kWp PV und mittlerem Sommertag (4-5 kWh pro kWp) werden 40-50 kWh erzeugt, davon braucht der Notstromhaushalt 6 kWh - die Restmenge wird nicht eingespeist (Inselbetrieb), sondern beim Erreichen des vollen Speichers abgeregelt. Theoretisch unbegrenzte Notstromversorgung im Sommer. Mit PV im Winter: Bei 10 kWp werden im Dezember nur 0,5-1 kWh pro kWp erzeugt, also 5-10 kWh pro Tag. Bei Schlechtwetter sogar nur 1-2 kWh. Der Speicher leert sich trotz PV. Ohne ersatzstromfaehigen Wechselrichter ist die teuerste Investition wertlos im Ernstfall. Wer einen Schwarzstart-faehigen Wechselrichter nicht hat, kann ihn meist nicht nachruesten - also vor dem Kauf darauf achten. Marktanbieter mit guter Notstromfunktion: SMA Sunny Boy Storage, BYD Battery-Box Premium HVS / HVM, Sonnenbatterie hybrid, Tesla Powerwall mit Backup Gateway, E3DC S10 (Pionier des Inselbetriebs). Hinweis: Reine Eigenheimspeicher fuer Notstrom sind selten ausreichend bei langen Blackouts (mehr als 3 Tage). Fuer Krisenvorsorge ergaenzend Notstromaggregat (Benzin, Diesel, Gas) sinnvoll - oder Wasserstoff-Brennstoffzelle als saisonaler Speicher.
Häufige Fragen
Funktioniert PV bei Stromausfall? +
Nein - Standard-PV-Anlagen schalten sich bei Netzausfall automatisch ab. Erst mit speziellem ersatzstromfaehigem oder inselfaehigem Wechselrichter kann die Anlage im Notstrom weiter laufen.
Was ist der Unterschied Ersatzstrom vs. Insel? +
Ersatzstrom: kurze Unterbrechung beim Umschalten (Sekunden), versorgt nur definierte Notstrom-Lasten. Insel: unterbrechungsfrei (USV-Funktion, unter 20 ms), versorgt das ganze Haus, teurer.
Welche Geraete laufen im Notstrom? +
Mit Ersatzstromsteckdose: Kuehlschrank, Licht, Internet, Heizungspumpe, Handy-Ladegeraete. Mit Inselbetrieb auch: TV, Computer, kleine Kuechengeraete. Schwer: E-Herd (3-8 kW), Waermepumpe (1-3 kW), Sauna (5-10 kW).
Wie lange reicht der Speicher? +
Bei 10 kWh Speicher und 6 kWh Notbedarf pro Tag: ohne PV ca. 1,5 Tage. Mit PV im Sommer theoretisch unbegrenzt (Speicher wird tagsueber wieder voll), im Winter 1-3 Tage je nach Wetter.
Kann ich bestehenden Speicher notstromfaehig nachruesten? +
Selten moeglich - Notstrom-Faehigkeit muss im Wechselrichter integriert sein (Hardware), Software-Update reicht nicht. Vor Kauf darauf achten und ggf. Wechselrichter-Tausch einplanen (3.000-5.000 Euro).
Lohnt sich Notstrom-Funktion? +
Aufpreis 1.000-3.000 Euro im Vergleich zum Standardspeicher. Lohnt bei Personen mit medizinischen Geraeten, Homeoffice (Internet, Computer), Tiefkuehlbestand, oder generell als Krisenvorsorge.