PV-Anlagengröße berechnen: Wie viele kWp brauche ich?
Berechne, wie viele Kilowatt-peak (kWp) deine PV-Anlage haben sollte – basierend auf deinem Stromverbrauch, der Dach-Ausrichtung und dem geplanten Eigenverbrauch.
Erklärung
Die Auslegung einer PV-Anlage entscheidet über Wirtschaftlichkeit, Eigenverbrauch und Autarkie. Faustformel: Stromverbrauch pro Jahr (kWh) geteilt durch den spezifischen Jahresertrag deines Standorts (kWh/kWp) ergibt die nötigen kWp für eine bilanzielle Vollabdeckung. Beispiel: 4.500 kWh / 950 kWh/kWp = 4,7 kWp. Das deckt rechnerisch den Jahresverbrauch – aber nicht zeitgleich, weil PV nur tagsüber Strom liefert und der Verbrauch über 24 Stunden verteilt ist. Realer Eigenverbrauch ohne Speicher: 25–35 %. Deshalb empfehlen Fachbetriebe heute fast immer eine Überdimensionierung um Faktor 1,5–2: Mehr Strom für Wärmepumpe, E-Auto-Wallbox und Batteriespeicher. Spezifischer Ertrag nach Standort und Ausrichtung: Süd optimal 30° in Süddeutschland 1.050–1.150 kWh/kWp, mittlere Lage 950 kWh/kWp, Norddeutschland 850–900 kWh/kWp. Ost-West-Anlagen liegen bei 800 kWh/kWp – produzieren aber gleichmäßiger über den Tag, was den Eigenverbrauch erhöht. Nord-Dächer und verschattete Lagen 600–700 kWh/kWp. Modulleistung 2026: Standard sind 420–460 Wp pro Modul mit ca. 1,7 × 1,1 m Fläche. Pro kWp werden also 2,3–2,5 Module benötigt, das entspricht 4,5–5 m² Dachfläche pro kWp. Eine 10-kWp-Anlage braucht ca. 23 Module und 50 m² Dach. Wechselrichter werden meist 10–20 % unter der Modulleistung dimensioniert (Wirkungsgradoptimum). Praxis-Tipp: Dach voll machen lohnt fast immer, weil Modulpreise stark gefallen sind (150–250 €/kWp Modulpreis, Komplettanlage 1.300–1.700 €/kWp). Die Grenze 10 kWp ist nur noch beim EEG-Tarif relevant (Sprung in der Vergütungshöhe), steuerlich gilt seit 2023 die 30-kWp-Grenze. Mit Speicher (5–10 kWh) steigt der Eigenverbrauch auf 60–80 %, die Autarkie auf 60–75 %. Volle Autarkie (100 %) ist mit haushaltsüblichen Speichern nicht erreichbar, weil Winterstrom fehlt.
Häufige Fragen
Wie viel kWp brauche ich für ein Einfamilienhaus? +
Bei 4.000–5.000 kWh Verbrauch reichen rechnerisch 4–6 kWp. In der Praxis werden 8–12 kWp verbaut, weil Speicher, Wärmepumpe und E-Auto kommen. Aktuell wird das Dach meist voll belegt.
Lohnt sich Ost-West gegenüber Süd? +
Ost-West-Anlagen produzieren ca. 10–15 % weniger Jahresertrag als optimale Süd-Anlagen, dafür gleichmäßiger über den Tag verteilt. Eigenverbrauch steigt um 5–10 Prozentpunkte. Wirtschaftlich oft gleichwertig.
Wie viel Dachfläche pro kWp? +
Mit modernen Modulen (430 Wp, 22 % Wirkungsgrad) ca. 4,5–5 m² pro kWp. Eine 10-kWp-Anlage braucht ungefähr 50 m² nutzbare Dachfläche ohne Verschattung.
Macht eine zu große Anlage Sinn? +
Ja, bei aktuellen Modulpreisen lohnt sich Überdimensionierung fast immer. Mehr Eigenverbrauch in Sommer-Mittagsspitzen (mit Speicher), mehr für Wärmepumpe und E-Auto. Einspeisung deckt Investkosten zusätzlich.
Was ist der Unterschied kWp und kW? +
kWp = Kilowatt-peak, Nennleistung der Module unter Standardbedingungen (1.000 W/m² Sonne, 25 °C). kW ist die aktuelle Leistung, die je nach Sonneneinstrahlung variiert. 10 kWp können mittags 8–10 kW liefern, abends 0 kW.
Beeinflusst die Dachneigung den Ertrag stark? +
30°–35° sind optimal für Süd. Bei 0° (Flachdach) ca. 10 % weniger Ertrag, wird durch Aufständerung kompensiert. 60° steiler ist gut für Winter und Schneeabrutschen, aber 5–8 % Jahresverlust.