Wie viel Frischluft brauchen Räume?
Wie viel m³/h Frischluft braucht ein Raum? Personen, Fläche und Nutzung ergeben den Mindest-Volumenstrom.
Erklärung
Der Frischluftbedarf von Räumen ist normativ in DIN 1946-6 (Wohngebäude) und der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.6 (Arbeitsstätten) geregelt. Wesentliche Funktion der Lüftung: Abfuhr von CO2, Wasserdampf, Gerüchen, Schadstoffen (VOC, Formaldehyd) und Krankheitserregern. Referenzwerte: - Wohnräume nach DIN 1946-6 Nennlüftung: ca. 30 m³/h pro Person, oder Luftwechselrate 0,3-0,5 1/h. Mindestlüftung (in Abwesenheit, gegen Schimmel) 20 m³/h, Intensivlüftung (z.B. Kochen, Duschen) 60-90 m³/h. - Büros (ASR A3.6): 40 m³/h pro Person bei sitzender Tätigkeit. Bei wenigen rauchfreien Räumen mit guter Außenluftqualität auch 30 m³/h. CO2-Konzentration soll dauerhaft <1000 ppm bleiben (Pettenkofer-Zahl), idealerweise <800 ppm. Pro Person Atmung produziert ca. 18 L CO2/h. - Schulen/Klassenräume: 25 m³/h pro Person, oft kritisch. Eine Klasse mit 25 Schülern in 60 m² Raum braucht 625 m³/h Frischluft. Ohne mechanische Lüftung kaum erreichbar – darum nach Corona-Pandemie viele Schulen mit CO2-Ampeln und Lüftungsanlagen ausgestattet. - Küchen (Wohnung): 60 m³/h Pauschalwert plus Kochstellenabluft (Dunstabzug 200-1000 m³/h beim Kochen). Bei Nutzung muss eine kontrollierte Wohnraumlüftung Druckausgleich sicherstellen, sonst zieht Dunstabzug Kamin-Abgase an. - Bad mit Dusche: 40 m³/h. Nach Duschen kurzfristig bis 90-150 m³/h sinnvoll (Feuchteabfuhr). - WC: 25 m³/h, Pflicht bei innen liegenden WC ohne Fenster. - Fitness/Sport: 60 m³/h pro Person, weil Atemfrequenz 5-10× höher als Ruhe. Beispiel Wohnzimmer 25 m², 2,5 m hoch, 4 Personen: Personen-Bedarf 4 × 30 = 120 m³/h. Raumvolumen 62,5 m³. Luftwechselrate 1,9 1/h. Ist das hoch? Ja, in heutigen Häusern sehr. Selbst mit Stoßlüften alle 30 Minuten erreicht man im Schnitt 0,5-1,0 1/h. Darum existieren in modernen Häusern entweder Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung oder es wird mit niedrigerem Wert (Mindestlüftung 20 m³/h pro Person) gearbeitet, was hygienisch ausreichend ist, solange CO2 unter 1500 ppm bleibt. Fensterlüften vs. mechanische Lüftung: Fensterlüften (Stoßlüften): in der Heizperiode 5-10 Minuten Fenster sperrangelweit auf, bei -10 °C reichen 3 Minuten. Querlüften (gegenüberliegende Fenster) ist 3-4× effektiver als ein Fenster. Stoßlüften 4× pro Tag erreicht ca. 0,3-0,5 1/h Luftwechsel im Mittel. Energieverlust dabei deutlich niedriger als 1 h Kippstellung. Kippfenster: niemals zum Lüften! Verbrennt Heizenergie, kühlt Wandflächen ab → Schimmelrisiko, kein effektiver Luftaustausch (nur 0,1-0,2 1/h). Mechanische Lüftung mit WRG: konstante 0,4-0,5 1/h, Wärmeverlust durch Lüftung 80-90 % zurückgewonnen. In passivem Standard und gut sanierten Häusern fast unverzichtbar (siehe rechner zu KWL). CO2 als Indikator: Ein Wert unter 1000 ppm zeigt ausreichende Lüftung. 1000-1400 ppm hygienisch akzeptabel. Über 2000 ppm Kopfschmerzen, Konzentrationsverlust, deutliche Müdigkeit. Über 5000 ppm gesundheitliche Symptome. CO2-Ampeln (40-100 €) sind ein praktisches Werkzeug zur Lüftungssteuerung. Feuchte-Abfuhr: pro 4-Personen-Familie entstehen täglich 8-15 L Wasserdampf (Atmung 0,4 L/h und Person, plus Duschen, Kochen, Wäsche, Pflanzen). Ohne Abfuhr kondensiert Feuchte an kalten Wänden → Schimmel. Die Lüftung muss diese Feuchte abführen. Fazit: Dieser Rechner gibt den Mindest-Volumenstrom für gesunde Raumluft. Wer in einem dicht gebauten Haus diesen Wert ohne mechanische Lüftung über reines Stoßlüften erreichen will, muss konsequent jeden Wohnraum mehrmals täglich lüften.
Häufige Fragen
Wie viel Frischluft pro Person? +
Wohnen 30 m³/h, Büro 40 m³/h (ASR A3.6), Schule 25 m³/h, Sport 60 m³/h. Bei Atmung allein produziert eine sitzende Person 18 L CO2/h, bei Lüftung soll <1000 ppm bleiben.
Wie oft soll ich Lüften? +
Stoßlüften 3-5× pro Tag für 5-10 Minuten (im Winter 3 Minuten). Querlüften ist 3-4× effektiver als ein Fenster. Kippstellung NICHT verwenden – ineffektiv und schimmelfördernd.
Was ist eine Luftwechselrate? +
Anzahl Mal, dass die gesamte Raumluft pro Stunde ausgetauscht wird. 0,3 1/h Mindestlüftung gegen Schimmel, 0,5 1/h hygienisch komfortabel, 1,0+ 1/h Intensivlüftung.
Was ist die Pettenkofer-Zahl? +
Die obere CO2-Grenze für gesunde Innenluft: 1000 ppm. In neuen Räumen sollte man unter 800 ppm bleiben, ab 1400 ppm sinkt Konzentration und Wohlbefinden, ab 2000 ppm spürbare Müdigkeit.
Reicht Stoßlüften? +
In gut bewohnten Wohnungen ja, wenn diszipliniert 4-5× täglich gelüftet wird. In dicht modernisierten Häusern (KfW-70 oder besser) wird das schwer – mechanische Lüftung mit WRG ist hier oft sinnvoll.
Wie messe ich die Luftqualität? +
CO2-Sensor oder CO2-Ampel (40-100 €). Anzeige in ppm: <800 sehr gut, 800-1000 gut, 1000-1400 akzeptabel, >1400 lüften nötig. Auch in Klassenzimmern und Großraumbüros sehr verbreitet.
Was passiert ohne ausreichende Lüftung? +
Drei Probleme: 1. Schimmel durch Feuchteanreicherung an kalten Stellen. 2. CO2-bedingte Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen. 3. Schadstoffanreicherung (VOC, Formaldehyd, Radon).