KWL: Wärmerückgewinnung-Ersparnis berechnen
Lohnt sich KWL mit Wärmerückgewinnung? Volumenstrom × Heizgradtage × Wirkungsgrad ergibt die jährliche Heizenergie-Ersparnis.
Erklärung
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (KWL mit WRG) tauscht die verbrauchte Innenluft gegen frische Außenluft, ohne die Wärme zu verlieren. Das Herzstück ist ein Kreuz- oder Gegenstrom-Plattenwärmetauscher (oder ein rotierender Enthalpietauscher), der die Abluftwärme auf die Zuluft überträgt – moderne Geräte mit 85-92 % Rückgewinnungsgrad. Warum überhaupt lüften? GEG und DIN 1946-6 schreiben in modernen Häusern eine Mindestluftwechselrate vor, weil die Hülle so dicht ist, dass ohne aktive Lüftung Schimmel und CO2-Anstieg drohen. Stoßlüften 5× am Tag funktioniert in der Theorie, in der Praxis macht das niemand zuverlässig, schon gar nicht im Winter. Funktionsweise: Zwei voneinander getrennte Luftströme – Frischluft kommt von außen ins Gerät, wird im Wärmetauscher von der Abluft (aus Bad, WC, Küche) erwärmt, gefiltert und als Zuluft in Wohnzimmer/Schlafzimmer/Kinderzimmer geblasen. Außenluft tritt durch ein zentrales Dachblech oder eine Wandöffnung ein, Abluft wird über ein zweites Rohr ausgeblasen. Verlegung der Lüftungsrohre üblicherweise im abgehängten Decken oder in Estrich-Verlegehölzern. Luftvolumen-Auslegung: nach DIN 1946-6 bei Auslegungsbasis ca. 30 m³/h pro Person, oder 0,3-0,5 Luftwechsel pro Stunde (Wohnfläche × Raumhöhe × Luftwechselrate = Volumenstrom). Beispiel 140 m² × 2,5 m × 0,4 = 140 m³/h. Wärmemenge der Lüftung berechnen: Q = V × cp × Δt. Spezifische Wärmekapazität Luft cp ≈ 0,34 Wh/(m³·K). Bei 140 m³/h × 0,34 × Heizgradtage 3500 × 24 = 4000 kWh/J reine Lüftungswärme – ohne WRG verloren. Mit 85 % WRG werden 3400 kWh zurückgewonnen. Beispielrechnung 140 m², LW 0,4: Lüftungsverlust ohne WRG ca. 4000 kWh/J. Mit 85 % WRG: 3400 kWh gespart × 11 ct = 374 € Heizung/J. KWL-Stromverbrauch 350 kWh × 32 ct = 112 € Strom. Netto-Ersparnis 262 €/J. Bei 14.000 € Investition Amortisation 53 Jahre. Stimmt das? Im EFH-Bestand alleine wirtschaftlich amortisiert sich KWL selten in unter 30 Jahren. Aber: Diese Rechnung berücksichtigt nicht die wichtigsten Vorteile: 1. Pflicht-Erfüllung GEG/DIN 1946-6: Bei Neubauten und tiefgreifender Sanierung Pflichtnachweis Lüftungskonzept. KWL ist dann oft die einzige technisch sinnvolle Lösung. 2. Komfort: keine Zugluft, keine Pollen (Filter F7 oder ePM1), gleichmäßige Temperatur, reduzierter Lärm von außen (geschlossene Fenster), kein Wasser auf den Fenstern. 3. Gesundheit: niedrigerer CO2-Gehalt (ständig <1000 ppm), niedrigere Schadstoffe (Formaldehyd, VOC), Allergikerfreundlich. 4. Schimmelschutz: aktive Feuchteabfuhr aus Bad/Küche reduziert Tauwasserrisiko an kritischen Stellen. 5. Bei Passivhaus/KfW-40 systembedingt notwendig: ohne KWL erreicht man die geforderten Werte nicht. Förderung BEG: KWL ist als Einzelmaßnahme nicht direkt förderfähig in BAFA Einzelmaßnahmen, aber Teil des Effizienzhaus-Pakets bei KfW-Sanierung (261). Bei einer Wärmepumpen-Komplett-Lösung kann KWL teil sein. Varianten: - Zentrale KWL: ein Gerät versorgt das ganze Haus über Rohrnetz. 12-18 T€ inkl. Einbau, beste Wirkungsgrade. Standard im Neubau. - Dezentrale Lüftung: Einzelgeräte in Außenwänden mit reversierendem Ventilator und Keramikspeicher. Pro Gerät 800-1500 €, einfacher nachrüstbar im Bestand. Wirkungsgrad 70-85 % je nach System. Geräusch hörbar im Raum. - Bedarfsgeführte Steuerung: CO2-Sensor, Feuchte-Sensor, automatische Volumenstromanpassung. Spart 20-30 % Strom gegenüber konstanter Stufe. Wartung: Filterwechsel alle 3-6 Monate (15-30 €/Set), alle 5 Jahre Inspektion durch Fachfirma (150-300 €). Lebensdauer Gerät 15-20 Jahre, Rohrnetz dauerhaft.
Häufige Fragen
Wie viel spart eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung? +
Bei 140 m² EFH und 85 % WRG ca. 3000-4000 kWh/J Heizenergie. Bei 11 ct/kWh Gas etwa 350-450 € abzüglich KWL-Strom 100-120 € = 250-330 € Netto-Ersparnis.
Wie hoch ist der Wirkungsgrad moderner KWL? +
Plattenwärmetauscher 70-85 %, Gegenstromwärmetauscher 80-92 %, Enthalpierad (mit Feuchterückgewinnung) bis 95 %. Auf der Datenblatt-Angabe achten: 'trockener' vs. 'feuchter' Wirkungsgrad.
Was kostet eine zentrale KWL inkl. Einbau? +
Im Neubau 8-14 T€ (mitgeplant). Im Bestand 12-20 T€ (Rohrführung schwieriger, ggf. abgehängte Decken). Pro m² Wohnfläche etwa 70-130 €.
Lohnt sich KWL nur wirtschaftlich? +
In reiner Cash-Flow-Rechnung selten unter 25-30 J Amortisation. Aber Pflicht für GEG/DIN-Lüftungsnachweis bei Neubau/Sanierung, Komfortgewinn, Schimmelschutz und Gesundheit sind die eigentlichen Kaufgründe.
Was ist eine bedarfsgeführte Lüftung? +
Mit CO2- oder Feuchte-Sensoren passt das Gerät den Volumenstrom automatisch an. Spart 20-30 % Strom gegenüber konstantem Betrieb. Standard bei modernen Geräten.
Wie laut ist eine KWL? +
Im Aufstellraum 30-45 dB(A) je nach Stufe. In Wohnräumen mit guter Schalldämpferplanung <25 dB(A), praktisch unhörbar. Schalldämpfer in den Rohrleitungen sind Pflicht für leisen Betrieb.
Wie oft Filter wechseln? +
Standardfilter F7/ISO Coarse alle 3-6 Monate (15-30 € pro Set). Pollenfilter ePM1 alle 6-12 Monate. Filter-Verschmutzung erhöht Stromverbrauch und reduziert Wirkungsgrad.